Das nationalsozialistische Regime organisierte während seiner Herrschaft, insbesondere während des Zweiten Weltkriegs, den Einsatz von Zwangsarbeit in einem beispiellosen Umfang. Aus ganz Europa wurden zivile Ausländer:innen, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Jüdinnen und Juden deportiert und unter teilweise katastrophalen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Die Lebensverhältnisse dieser Personen(gruppen) waren stark abhängig von Zeitpunkt, Ort und Branche ihres Einsatzes, hauptsächlich aber von ihrer Stellung in der rassistischen Hierarchisierung der NS-Ideologie. Auf dem Gebiet der „Ostmark“ waren im Herbst 1944 fast eine Million Zwangsarbeiter:innen eingesetzt.
Die Omnipräsenz des Systems Zwangsarbeit zeigt sich auch an der Geschichte Wiens. Laut einer Auflistung des österreichischen Bundesdenkmalamtes aus dem Jahre 2022 existierten während der NS-Herrschaft über 600 Zwangsarbeiter*innenlager auf dem Gebiet des heutigen Wiens. In den Jahren zwischen 1942 und 1945 existierten mindestens acht Lager für Zwangsarbeiter:innen im vierten Gemeindebezirk.
Die Pilotstudie untersucht die NS-Zwangsarbeit auf der Wieden aus biographischen und sozioökonomischen Perspektiven und fragt: Wer waren die Zwangsarbeiter:innen auf der Wieden und wie gestalteten sich ihre Lebensverhältnisse? In welchen Kontexten waren sie eingesetzt? Wer profitierte?