Brigitte Pellar war eine der bedeutendsten Historiker:innen der österreichischen Gewerkschafts- und Arbeiter:innenbewegung. Von ihrer Dissertation bis hin zu ihrer jüngsten Publikation über den Gewerkschafter und Erwachsenenbildner Richard Robert Wagner war sie eine herausragende Publizistin, eine hervorragende Wissenschafterin, engagierte Pädagogin und unermüdliche Aufklärerin, die ihr Wissen durch Vorträge, Ausstellungen, Blogposts und Artikel zu vermitteln verstand. Als Mitbegründerin, Mitarbeiterin und langjährige Leiterin des Instituts für die Geschichte der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern an der Arbeiterkammer Wien hat sie ihren Fleiß und ihr Können in den Dienst der Organisationen der arbeitenden Menschen in Österreich gestellt. Für Brigitte Pellar hat die Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung auch stets bedeutet, sie im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Kämpfen dieser Bewegung zu sehen. Sie war Zeit ihres Lebens aktive Gewerkschafterin und nahm als überzeugte Sozialdemokratin und Mitglied des Bundes sozialdemokratischer Freiheitskämpferinnen regen Anteil am politischen Leben.
Die Tochter des evangelischen Pfarrers und Superintendenten Paul Pellar verband schon früh religiöses mit sozialem und politischem Engagement. Sie betätigte sich schon während ihres Studiums in der evangelischen Studierendengemeinde, ihr Interesse beschränkte sich dabei aber weder auf den Boden der Hochschule noch auf die engen Grenzen Österreichs. Solidarität mit Unterdrückten weltweit war ihr Zeit ihres Lebens ein wichtiges Anliegen. Ihre langjährige Tätigkeit in der Solidaritätsbewegung mit Nicaragua war Ausdruck ihrer Überzeugung, dass Unrecht, egal wo auf der Welt, nicht hingenommen werden kann. Und dass sich die Kritik daran nicht auf die bloße Benennung des Unrechts beschränken dürfe, sondern dass etwas dagegen getan werden müsse. Brigitte Pellar gehörte zu jenen Menschen, die ihre Überzeugungen gelebt haben. Und sie ist für sie auch dann eingetreten, wenn sie dabei anderen auf die Zehen treten musste. Sie war eine mutige Frau, die unerschrocken ihre Meinung vertrat, dabei aber nicht blind war für die Argumente anderer.
Brigittes angewandte Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit kam auch all jenen zugute, die mit ihr als Kollegin zusammenarbeiten durften. Bis kurz vor ihrem Tod war Brigitte Pellar aktiv und hat Vorträge gehalten, hat geforscht und an Publikationen gearbeitet. Uns als Institut hat sie mit großer Sympathie und Wertschätzung begleitet, stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite, hielt aber auch nicht hinterm Berg, wenn sie mit etwas unzufrieden war. Sie war nicht nur selbst kritikfähig, sondern setzte diese Eigenschaft auch sehr selbstverständlich bei anderen voraus. Auch dadurch haben wir viel von ihr gelernt.
Wir verlieren mit Brigitte Pellar nicht nur eine neugierige, umfassend interessierte und engagierte Wissenschaftlerin, sondern vor allem auch eine liebenswerte, allen Menschen zugewandte Freundin. Ihr offenes Ohr, ihr Verständnis, ihre Ermutigung und manchmal auch ihr kritisches Nachfragen wird uns allen sehr fehlen.
Geboren am 22.9. 1947 in Hermagor/Kärnten
Eltern: Paul Pellar (evangelischen Pfarrer, evangelisch-lutherischer Superintendent Kärnten und Osttirol), Wilma Pellar, geb. Hanner (Kindergärtnerin)
1971 – 1981:
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für empirische Sozialforschung (IFES). U. a. Mitwirkung an folgenden Projekten:
1981 – 1989:
Anstellung im Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes ÖGB-Verlag)
1989 – 2000:
Mitarbeiterin in der Bereichsleitung Bildung und Kultur der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien
2000 – 2001:
Wissenschaftliche Mitarbeit im Institut zur Erforschung der Geschichte der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern (Geschichtsinstitut in der AK Wien, ab 2020 „Institut für historische Sozialforschung“).
2001 – 2007:
Leitung des Geschichtsinstituts in der AK Wien
2006 – 2011:
Lehrauftrag am Institut für Politikwissenschaften der Universität Wien.
1968 – 1974:
Redaktionsmitglied der vom Evangelischen Jugendwerk herausgegebenen Zeitschrift „anstoss“ (Rennerpreis 1972). Inhaltliche Schwerpunkte: Vorurteile, Strafrechtsreform, Jugendkriminalität, US-Innenpolitik.
1993 – 2024:
Mitglied des Redaktionskomitees (später Themenkomitees) der von Bundesarbeitskammer und Österreichischem Gewerkschaftsbund herausgegebenen Zeitschrift „Arbeit und Wirtschaft“.
1967 – 1973:
Mitarbeit in der Österreichischen Hochschülerschaft
1968 – 1974:
Vertretung des Evangelischen Jugendwerks im Österreichischen Bundesjugendring. In dieser Funktion u. a. Mitglied der österreichischen Delegation bei der Weltjugendkonferenz der Vereinten Nationen 1970 und der Bundesheerreformkommission.
Seit 1979:
Mitglied der SPÖ. Im Rahmen der Solidaritätsaktion für Nicaragua Organisation der Unterstützungspartnerschaft mit einer Frauenklinik in Managua.
Seit 1979:
Mitglied des Bundes Sozialistischer (dann Sozialdemokratischer) Freiheitskämpferinnen, Opfer des Faschismus und aktiver AntifaschistInnen. Zunächst Mitglied des Vorstands für den Bezirk Wien-Alsergrund, ab 2008 Mitglied des Wiener Vorstands und des Bundesvorstands.
Seit 2025:
Vorstandsmitglied der Senior:innen-Organisation des Bundes sozialdemokratischer Akademiker (BSA).